Sonntag, 22. Mai 2016

Exkurs Malaysia: Reif für die Insel



Wieder mal kommt dieser Blog reichlich spät. Aber da direkt vor Chinese New Year die VPN-Programme (die es uns überhaupt ermöglichen Seiten wie Google und Facebook zu nutzen) abgeschmiert sind, gepaart mit dem allgemeinen Zeitproblem, gibt es erst jetzt den Urlaubsbericht vom Februar. Sorry! Nun viel Spaß beim Lesen und Bildle anschauen:


Herzlich Willkommen im Jahr des Affen! 
Diesen hier <<< haben wir bei der Inselhopping-Tour auf der malaysischen Insel Langkawi kennen gelernt. Er hat versucht meinen Kamerarucksack zu plündern!









Aber der Reihe nach:

Dieses Jahr haben wir uns erst am ersten Tag des Chinesischen Neujahres in den Urlaub aufgemacht. Eigentlich wollten wir nur volle Straßen auf dem Weg zum Flughafen vermeiden, aber ungeplanterweise durften wir so auch den Vorabend des Neujahrsfestes noch in Suzhou erleben – also quasi deren Silvester. An sich ist, wie letztes Jahr im Neujahrs-Blog erwähnt, über Chinese New Year nichts geboten. Es ist eben ein Familienfest… Aber: Knallerei! „Schießen und Bumm Bumm und so laut“ gab es toujour den ganzen Tag. Ja! Tag! Von morgens angefangen hat bis Mitternacht immer irgendeiner gerade Knaller in die Luft gejagt. So haben wir das ja nicht erwartet… Irgendwer hatte wohl einen Plan aufgestellt, dass es auch ja nie still wird.

Angefühlt hat sich das n bisschen als wäre Silvester und wir machen nicht mit. Also haben wir uns noch mit unseren Freunden Anika und Daniel kurz geschlossen, die auch erst später in Urlaub los wollten und uns auf deren Terrasse bei Sekt und Bier (und nem Feuerchen zum Wärmen) das Spektakel angesehen. Kurz vor Mitternacht sind wir zum Haupteingang des Compounds gegangen, um zu sehen, ob das Ganze jetzt  noch gesteigert wird. Die Antwort lautet JA. Die chinesischen Familien, die wir dort vorfanden, hatten noch Tonnen Schießmaterial vor sich und luden die Lao-Wai-Männer gerne ein mitzuballern. Zu deren großer Freude zünden die originalen Chinaböller sogar 2mal – einmal am Boden und dann nochmal in der Luft -und bemerkenswerterweise hatten danach beide immer noch alle 10 Finger. Anika hat auch geschossen – und zwar Fotos und ich war mit den von den Kindern überreichten Wunderkerzen sehr zufrieden.

Man beachte die Sauerei der Raketenüberreste rechts auf dem Bild und den Dunstschleier in der Luft!




Petronas Towers Kuala Lumpur
Nun zum Urlaub:
Malaysia ist es in diesem Jahr geworden. Man hatte uns bereits viel Schönes von der Insel Langkawi berichtet. Da man dort von Shanghai aus, aber nicht direkt hinfliegen kann, haben wir noch einen Zwischenstopp in Kuala Lumpur eingelegt. Hauptstädte schauen wir uns ja immer wieder gerne an. Was sollen wir sagen: es hat sich gelohnt. Eine schöne bunte Stadt mit vielen Bazaren, Moscheen und natürlich den berühmten Petronas-Towers, umringt von einem großen Einkaufszentrum mit einem fantastischen Park drum herum.









 

 
Cora vor dem Stadtplan von Kuala Lumpur - das haben wir uns (fast) alles angeschaut!

Björn vor der typischen Kuala Lumpur Szenerie: Moderne Hochhäuser neben traditioneller Moschee!

Anschließend gings dann auf die Insel. Ein schönes Bungalow-Hotel mit einer äußerst günstigen Pool-/Strandbar machten den Relaxurlaub für uns zu einer Runden Sache. Nachteil für Euch: es gibt da nicht so furchtbar viel zu erzählen…








Kuba Libre bei Sonnenuntergang - *seufz* - war des schee!

Das Highlight (neben dem faulen Herumliegen auf den bequemen Strandliegen und den günstigen Drinks) war ein Insel-Hopping-Ausflug. Wir sind mit so einem kleinen Seelenverkäufer über die Wellen gebrettert als gäbe es kein Morgen mehr. Zunächst zur Insel der schwangeren Jungfrau. Denn die Form der Erhöhung des Berges auf der Insel sieht tatsächlich aus wie eine schwangere Frau, die auf dem Rücken liegt.
Und die Legende besagt, dass wenn man einen unerfüllten Kinderwunsch hat, man aus dem See im inneren der Insel trinken muss, dann klappts. Nunja…

Wir haben uns durch die diebischen Affen gekämpft (zu Beginn erwähnt) und haben uns den See angesehen. Viele sind da noch drin Baden gegangen, aber wir haben uns von den Massen lieber etwas entfernt und die malerische Landschaft drum herum geknipst.
Anschließend haben wir uns wieder durch die diebischen Affen zurück gekämpft und sind zur nächsten Insel gehüpft. Hier konnten wir sehen wie die berühmten und selten gewordenen Weißkopfadler Fische fangen und wieder viele hübsche Fotos knipsen. Dann gings zum versprochenen Traumstrand. Man muss sagen, dass die meisten Touristen auf Langkawi Chinesen sind –und für die mag das Wasser ja tief genug gewesen sein, aber für uns hat es leider nicht einmal gereicht, um komplett nass zu werden. ABER: ja, es hat traumhaft ausgesehen… Wir saßen dann am Strand an einem schattigen Plätzchen und haben uns das Treiben angesehen. Und da kamen sie dann wieder – die räuberischen Äffchen. Und die sind echt nicht doof und haben die tollsten Tricks angewendet, um an die Essensvorräte der Touris zu kommen. Mami-Affe mit Kind um den Bauch macht einen auf süß und knuddelig und dann kommt Papi-Affe ums Eck und Zack, hast du deine Chips-Tüte gesehen… Wir haben uns scheckig gelacht. Genial!

Danach gings wieder mit dem Wellenbrecher-Speed-Seelenverkäufer zurück.
Da mussten wir erstmal wieder auf unsere bequeme Liege im Hotel zurück :-)

Donnerstag, 4. Februar 2016

Chinese New Year-Firmenfeier

Passend zum Schmotzigen Donnerstag kommt hier Coras Story von der Chinese New Year Feier unserer Firma. Der chinesische Neujahrstag fällt 2016 übrigens auf den Rosenmontag, an dem dann das Jahr des Affen beginnt. Und noch viel wichtiger: wir verschwinden dann 10 Tage nach Malaysia ins Warme! Also teilt euch diesen Beitrag ein bisschen ein – lang genug ist er ja J:


unser General Manager singt zur Eröffnung
einen chinesischen Rocksong
Coras New Year Party-Story:
Jede Firma in China, die etwas auf sich hält, veranstaltet anlässlich des Chinesischen Neujahrsfestes eine riesengroße Feier. Eingeladen werden alle Mitarbeiter vom Hausmeister bis zum Da Lao Ban (= big boss = höchste Position im Unternehmen). So auch in unserer Firma, in der dann schlappe 350 Leute zusammen kommen.

Björns Team hat eine Art Bayrischen Tanz aufgeführt!
Sind sie nicht süß?!

Björn hatte diesen Wahnsinn 2015 schon mal miterlebt und wusste, was da so geboten wird. Allerdings nur als normaler Zuschauer. Dieses Jahr galt nun für uns beide: mittendrin statt nur dabei. Die Mitarbeiter werden nämlich aufgefordert Programmbeiträge zu gestalten. 

Da wir mittlerweile 5 Ausländer im Werk sind (Björn, ich, Kollege Pascal, Praktikant Daniel und Amerikanerin Blaise), wollten wir auch unseren Teil zur Belustigung beitragen und haben beschlossen Oktoberfeststimmung zu verbreiten und das „Fliegerlied“ vor und mit den chinesischen Kollegen zu tanzen.

Zu allem Überfluss bekam ich im November auch noch eine E-Mail von der Abteilungsassistentin: Meine Abteilungsleiterin Ruby lade mich ein beim Tanz der Abteilung mitzumachen. Sie hätte gerne, dass ich das chinesische Lied singe, zu dem sie dann tanzen. Dann waren 4 Links zu Online-Videos beigefügt und darunter noch die Bitte, dies so entsprechend vorzubereiten. Mpf?! Da hab ich erstmal den Schluck Tee, den ich gerade im Mund hatte in alle Richtungen zerstäubt. Ich konnte sie dann Gott sei Dank noch auf eine Playback-Imitation herunterhandeln.

Monate der Vorbereitung gingen ins Land, wobei wir Lao wai’s (=Ausländer) den Auftritt wohl am wenigsten streng behandelt haben. Immerhin kann ich nun von mir behaupten, das Fliegerlied auf Englisch übersetzt zu haben, damit Blaise den „Sinn“ versteht und es anschließend (für die Untertitel) auf Chinesisch übersetzt werden konnte. Ein weiterer Brüller war übrigens, dass wir die Performance erstmal bei einem Vortanzen vorm Organisationskomitee abnehmen lassen mussten– eine ernste Angelegenheit dieses Fest!



Der Veranstaltungsort - dezente Lampe, nicht wahr?
Am Veranstaltungstag selbst ging es nicht weniger ernst zu. Unsere Fliegerlied-Truppe sollte um 16 Uhr antanzen, da wir aufgrund unserer taktisch klug ausgedachten Kostüme nicht geschminkt und frisiert werden mussten. Weil ich allerdings zusätzlich noch als „Sängerin“ auftreten sollte, bekam ich die Order um 13.30 Uhr im Veranstaltungshotel zu sein.(Veranstaltungsbeginn war auf 17 Uhr geplant). Hochgespannt betrat ich einen pompösen (und eiskalten) Ballsaal. 


Meine Kolleginnen brachten mich in einen Umkleideraum mit beleuchteten Spiegeln hinter der Bühne und drückten mir das extra gemietete Abendkleid in die Hände, das mein Kostüm werden sollte. In dieser Kammer agierten bereits etliche Frauen. Es roch nach Puder und Haarspray und es war schön warm. Allerdings konnte ich kaum einen Platz finden, an dem ich niemandem im Weg stand – es ging zu wie im Taubenschlag. Gesamtplan und Ablauf waren mir nicht bekannt und verstehen und lesen konnte ich auch nichts. Ich zog also dieses Kleid an und beschloss mich auf das Sofa in der Ecke der Umkleide-/Schminkkammer zu platzieren und zu warten bis mir jemand den nächsten Befehl erteilte. Das rege Treiben faszinierte mich total. Ich glaube, ich saß einfach schmunzelnd da und hab Fotos geschossen.


Einige Zeit später war ich dann fertig „zurecht gemacht“ und ich schwöre euch mit dem Make-up hätte ich nach der Show noch auf der Straße arbeiten können –wenn ich versteht was ich meine… *räusper*!

Da 2016 wieder die Fasnet für mich ausfallen muss, hatte ich hier zumindest so etwas wie unseren Bürgerball – nur noch professioneller aufgezogen und noch ernster in der Vorbereitung. Und: mit riesigen Verlosungsaktionen! Junge, was da alles geboten wurde… Die Manager waren von der Verlosung ausgeschlossen und durften abwechseln Glücksfee spielen. So kam es, dass Björn einen ganzen Haufen Fahrräder unters Volk bringen durfte und Pascal Messerblöcke, Pulsuhren und ich weiß nicht was noch alles. Der Hauptgewinn war im Übrigen ein Segway, das an einen Glückspilz aus der Produktion ging.
Nun will ich euch aber nicht weiter auf die Folter spannen. Mein großer Auftritt als Sängerin war schon der dritte Programmpunkt. Und ob ihr s glaubt oder nicht, als ich pünktlich zum Einsatz der Sängerin auf die Bühne trat, hat das Publikum laut gejubelt. Allerdings bin ich überzeugt, das kam daher, dass die erstmal geglaubt haben, ich singe den chinesischen Evergreen „Zhu Mu Lang Ma“ (übersetzt: „Mount Everest“) wirklich ;-). Im Gegensatz zur Generalprobe war ich auch nicht mehr so überrumpelt von dem künstlichen Nebel und der Seifenblasenmaschine. Jedenfalls kam es ganz gut an und der Langärmel-Tanz den meine Kollegen da neben mir hingelegt haben, war auch wirklich beeindruckend.


Der Fliegerlied-Auftritt war das große Finale, da die Freude des Organisationskomitees darüber, dass die Ausländer auch etwas vorführen, so immens groß war. Unser diabolischer Plan war es, Praktikant Daniel, als Schwimmer verkleidet, nur mit einer Badehose bekleidet auftreten zu lassen, damit niemand mehr auf uns 4 anderen achtet. Ihr müsst wissen, mit seinen blonden Locken und seinen großen blauen Augen kam der nämlich, gerade bei den weiblichen Kolleginnen, besonders gut an. Zur Verdeutlichung: sie gaben ihm den Spitznamen „Xiao xian rou“ – zu deutsch: „Frischfleisch“!



Nundenn; zu Beginn des Auftritts legten wir uns textgetreu auf den Boden. Björn kam als Pilot mit Flieger angerauscht und wir winkten zu ihm rauf und dann haben wir verkleidet als Tiger, Giraffe, Frosch und Schwimmer 2x den Refrain vorgetanzt. Beim dritten Mal hat Daniel dann seinen Bademantel abgeworfen und stand nur noch in der Badehose da! Das war der Durchbruch! Die Menge kreischte und ich bin sicher ein paar Damen bekamen weiche Knie. Das Lied wurde wie geplant unterbrochen und meine Mittänzer stürmten ins Publikum, um dieses zum Mitmachen zu bewegen. Giraffe Cora blieb als Vortänzer auf der Bühne. Als der Refrain in langsamem Tempo wieder los ging, haben tatsächlich alle 350 Kollegen voller Überzeugung und mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht mitgemacht. Wir hatten ja erwartet, dass wir sie ein bisschen zwingen müssen, aber sie folgten meinem Beispiel ohne zu Zögern. Meine Aussicht von der Bühne aus, auf 350, das-Fliegerlied-tanzende Chinesen in diesem prunkvollen Ballsaal hat sich wohl für immer in mein Gedächtnis gebrannt.



In den nächsten Wochen bekommen wir das professionell aufgenommene Video von der Veranstaltung. Bei Interesse bieten wir dann in Steinhilben gerne Vorführungen  für einen kleinen Obolus an. Die Einnahmen gehen zugunsten der Fliegerlied- Foundation China.

Schlippr Schlappr – Hülaschlappr!!!

Mittwoch, 27. Januar 2016

Sommer in Suzhou

Kältestes Wochenende seit Beginn der Wetteraufzeichnungen
Wir haben gerade das kälteste Wochenende seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen in Suzhou hinter uns. -8°C ringen echten Älblern, wie uns normalerweise nur ein müdes Lächeln ab, aber bei der Luftfeuchtigkeit hier, gepaart mit einem echt scharfen Wind, ist das ganz anders als Daheim und fühlt sich viel schlimmer an als trockene -20°C.  Zudem ist das ganz und gar nicht normal für Südchina, weshalb in vielen Firmen und Compounds der Ausnahmezustand ausgebrochen ist (Wasserrohrbrüche etc.); Der Teich in unserem Compound-Garten ist gefroren, aber ansonsten hatten wir Glück. Um warm zu bleiben, half da die Erinnerung an Suzhous-Sommer.








Björn berichtet:
Nachdem ich vor einem halben Jahr über den Winter in Suzhou berichtet habe, wird es so langsam Zeit etwas über den Sommer zu schreiben.

Als ich mir das erste Mal das Klima von Suzhou im Internet angesehen habe, dachte ich, super endlich mal schön warm im Sommer. Ist bestimmt wie im Urlaub. Ist es auch, nur dass man arbeiten muss und dabei lange Hosen trägt.

Die Temperaturen steigen in Suzhou schon ab April auf über 20°C.

Ende Juni ist die sogenannte „Plumrain season“. 2-3 Wochen lang regnet es fast kontinuierlich bei Temperaturen zwischen 25 und 30°C. Für uns Älbler ist das schon etwas verstörend. Nicht dass wir nicht auch 3 Wochen Dauerregen gewohnt sind, aber dann ist es auch kalt. Hier geht man auch bei Regen in der kurzen Hose raus und nimmt einfach einen Regenschirm und Schuhe mit, die schnell wieder trocknen (z.B. Flipflops). Eine unserer größeren Fehlanschaffungen hier waren Regenjacken. Wenn du hier im Juni mit der Regenjacke raus gehst, bist du bald von innen nasser als von außen.

Wetterregel Nr. 1: nur weil es trüb ist, muss es nicht kalt sein!
Nach dem Regen geht der Sommer dann richtig los.
Juli und August sind die heißesten Monate hier. Tagsüber gehen die Temperaturen auf über 35°C und auch nachts kühlt es selten auf unter 30°C ab. Das Ganze wird dann noch durch eine Luftfeuchtigkeit um die 70-90% abgerundet. Man fühlt sich also regelmäßig wie in der Sauna. Und es ist eben nicht wie auf der Alb, dass es zwei Tage lang warm und schwül ist und dann gibt es ein Gewitter, sondern das bleibt hier mehrere Wochen so.

Den ganzen Sommer durch wird dann die Klimaanlage dein bester Freund. Es sagt ja immer jeder, dass man mit Klimaanlage nicht schlafen kann. Nach der zweiten durchgeschwitzten Nacht weiß man: auch nicht ohne.
Frühling im Park - bevor es zu heiß ist um draußen zu sitzen...

Als wir im ersten Jahr ankamen, haben wir uns gewundert, warum es nicht so viele Plätze gibt, an denen man draußen sitzen kann. Nach dem Sommer wussten wir es. Es ist meistens einfach zu warm.

Kaltes Bier gibt es bei den Temperaturen dann auch oft nicht. Also es kommt schon kalt an…bleibt allerdings nur 10min auf trinkbarer Temperatur. Da steht man bei einem 0.5l Bier schon vor Problemen (also manche). Außerdem setzt sich außen am Glas so viel Luftfeuchte ab, dass sich nach den 10 min eine ordentliche Lache auf dem Tisch gebildet hat und sich beim Trinken eine schicke Tropfenspur über Hose und T-Shirt zieht.

Kurzum, in unserem jetzt schon zweiten Sommer in Suzhou haben wir es öfters wie die Chinesen gemacht; sitzen drinnen neben der Klimaanlage und schauen hämisch auf die dummen Lao Wai’s (mehr oder minder freundliches Wort für Ausländer auf Chinesisch, bedeutet ungefähr „alter“ oder „geschätzter“ Fremder) die denken , bloß weil es Sommer ist, muss man auch draußen sitzen.

Apropos Tropfenspur über Hose und T-Shirt: der Sommer hat natürlich auch einen wichtigen Einfluss auf die Kleidungswahl. Außerhalb der Arbeit trage ich eigentlich immer kurze Hose und T-Shirt. Selbst dann sollte man darauf achten, dass man Schweißflecken nicht so gut sieht…

Das wirklich schöne am Sommer beginnt ab September, wenn die Temperaturen auf 30°C zurückgehen und man abends noch lange draußen sitzen kann, weil es auch nachts nicht unter 20°C hat.

Alles in allem ist man es als Älbler nicht gewohnt, dass es so lange warm und schön ist und dass auch ein Regenschauer die Temperaturen nicht wirklich nach unten treibt.  Das ist die wirklich schöne Seite am Sommer und die werde ich bestimmt auch irgendwann vermissen…

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Hüttenfeeling in China – Nikolaus-Wochenende auf Berg Mogan



In der Nähe von Hangzhou und etwa 3 Autostunden von Suzhou entfernt liegt der Moganshan (Shan = Berg). Am Nikolaus-Wochenende sind wir mit mehreren Familien aus Deutschland, Österreich und der Schweiz dorthin gefahren und haben uns eine „Hütte“ gemietet – alle auch Expats in Suzhou, die einen näher bekannt, die anderen noch nie gesehen; aber wir sind ja nicht scheu.

Die Hütte/ das Gasthaus hatten wir ganz für uns. Nur die Herbergsfamilie besetzte eifrig ihren Platz vor dem Fernseher und war quasi rund um die Uhr für uns da -in den Werbepausen. Nein; die haben toll für uns gesorgt, Frühstück und Abendessen gekocht wie die Weltmeister; richtige chinesische Hausmannskost, oberlecker und immer genug für eine ganze Kompanie.

Eifrige Planung im Vorhinein, mit nicht weniger als 500 Posts in der eigens erstellten WeChat-Gruppe, sowie das natürliche Auftreten von unvorhersehbaren Ereignissen, die nun mal zu China gehören wie Mao und Pandabären, machten das Wochenende unvergesslich, aber auch unvergesslich schön.

So kann man zum Beispiel damit rechnen, dass es Anfang Dezember auf einem Berg im Süd-Osten Chinas, in einem von Chinesen erbauten Haus vermutlich sehr kalt wird und sich entsprechend ausstatten.

Man kann auch den Wetterbericht checken und ein neues englisches Wort lernen: „wintry showers“ und nach kurzer Interpretationsphase noch lange Unterhosen einpacken und sich Decken von den Nachbarn leihen. Dass es dann aber wie aus Kübeln schneit und man einen schneebedeckten Bambuswald erlebt und dass dann nach dem Abendessen der Strom im ganzen Haus ausfällt und auch weg bleibt, so dass gar keine Heizungen mehr funktionieren, damit kann man nun wirklich nicht rechnen.

Mit Hilfe der richtigen Leute kann man aber eben auch das Beste daraus machen. Erst im zunächst immer dicker werdenden Regen durch den Bambuswald spazieren, zurück in der Hütte selbstgemachten Glühwein aufsetzen, die aus Deutschland eingeschmuggelten Lebkuchen auspacken, Weihnachtsmusik auflegen, Würstchen grillen (ja, das passt dazu!), den Flocken zusehen und hoffen, dass der Nikolaus einen an diesem entlegenen Flecken findet.
Nach dem Abendessen wurde es wie gesagt dunkel im Haus. Die Herbergsfamilie eilte mit Kerzen zu uns und versuchte sich darum zu kümmern, dass der Strom wieder in Gang kommt. (Hat leider nichts geholfen, aber sie waren stets bemüht.) Dafür wurde es heimelig als wir da so im Kerzenschein saßen, uns um die Wichtelgeschenke gekabbelt haben, alle Klamotten angezogen und Decken umgewickelt haben, die wir finden konnten und uns mit Wein und dem einen oder anderen Schnaps (Wichtelregel Nr. 1: wenn eine 2 gewürfelt wird, muss Catrin einen trinken) bei Laune gehalten haben. Es wurde sogar gesungen und regionales Liedgut ausgetauscht – . „Des Nachts, wenn I hoim so geh“ ist jetzt jedenfalls auch in China mal gesungen worden und wird über Steinhilbens Grenzen hinweg vermutlich bald zum Kassenschlager.

Völkerverständigung pur. Diese sollte schließlich nie zu kurz kommen; auch wenn nur das 3-Länder-Eck zusammen sitzt.


Donnerstag, 3. Dezember 2015

Gastbeitrag Roland: China sehen und (nicht) verstehen

Mehrdeutiger Titel? Mehrdeutiges Land.

Nein, ich bin weder Cora noch BJ, darf aber trotzdem hier meinen Senf dazugeben. Ihr fragt euch, warum? Weil ich es kann. Das ist auch die Denkweise der Chinesen, denn anders lassen sich die Nachbildung der Londoner Tower Bridge mitten in Suzhou, lebende Skorpione auf Stäbchen gespießt, Glasböden in 270m Höhe und noch vieles mehr einfach nicht erklären. Daher haben Nadine und ich nach einer Weile BJs Dauerantwort („in China fragt man nicht, warum.“) angenommen und uns damit begnügt, uns still zu wundern.
Zwei Anmerkungen vorab: 1. Ich könnte jeden Satz unseres Reiseberichts mit „auf der einen Seite“ beginnen, will euch aber damit verschonen und es dabei belassen, dass China das Land der Gegensätze ist. 2. Beim Durchlesen der bisherigen Erfahrungsberichte im BetzChina-Blog könnte der geneigte Leser hin und wieder auf den Gedanken kommen, manche Themen seien von den Autoren humoristisch überspitzt dargestellt worden. Uns ging es selbst so. Dann kam China.
Beginnen möchte ich bei der Idee, die sich an Silvester im Jacuzzi des Steinhilbener Exils entwickelt hat, als Cora und BJ meine Verlobte Nadine und mich fragten, ob wir nicht nach China kommen wollen. Nüchtern betrachtet, also ein paar Tage später, klang es immer noch gut und der Plan nahm Form an. Dementsprechend wurden Flüge und Hostels gebucht, Visa beantragt, Einladungsschreiben verschickt, Lonely Planet bestellt und Pläne geschmiedet.  
Dann war es endlich soweit: nach über 8.000km, 22 Stunden Reisezeit und viel zu wenig Schlaf kamen wir in Peking an. Hier begann, was uns drei Wochen lang begleitete: eine Erkenntnis jagte die andere. Zu viele, um alle aufzuzählen, ich versuche dennoch, ein paar zu beschreiben. Erste Erkenntnis, als wir mit einer U-Bahn innerhalb des Flughafens vom Ankunftsterminal zur Gepäckausgabe fuhren: scheint groß zu sein, dieses China. Bekräftigt wurde dieses Gefühl von unserem Fahrer, der uns ins Hostel bringen sollte. Er fand sein Auto nicht mehr. Kann in einem Parkhaus mit 7000 Stellplätzen schon mal passieren. Später sollten wir erfahren, dass dies beileibe kein Einzelfall darstellt – gell, C J
Eine weitere Erkenntnis folgte, als das Auto schließlich gefunden wurde und wir auf den Straßen unterwegs waren. Rush-Hour montags in der Früh. Zwei Stunden bis zum Hostel. Zwei Stunden Adrenalin pur. Ich verstehe nun auch BJ, der den Spruch prägte: „ich habe auf dem Weg zur Arbeit gar nicht genug Mittelfinger um meine Meinung auszudrücken“. Übrigens, BJ, bin ich immer noch beeindruckt, wie du es schaffst, mit einer Hand zu hupen und gleichzeitig mit der anderen den weiteren Verkehrsteilnehmern deinen längsten Finger zu zeigen. Wobei gerade das Hupen ja nichts Negatives ist. Heißt ja nur: „ich bin auch da“. Dementsprechend ist auch der Geräuschpegel. Zusätzlich zum Chaosprinzip des Spurwechselns, der schieren Menge an Bussen, Taxen, LKWs, Scooter gibt es auch für Fußgänger scheinbar keine festen Regeln, wie die Straße zu überqueren ist. Daher bleibt festzuhalten: Der Straßenverkehr ist ein Erlebnis. Eines von der Abenteuersorte.
Tag 1-4. Peking. Für uns wurde China in den ersten Tagen zum Land der tausend Stufen. Egal, ob Lama-Tempel, Konfuzius-Tempel, Beihai-Park, Verbotene Stadt oder Chinesische Mauer – die Muskulatur wurde dauertrainiert. Die Mühe war es allemal wert, alle Sehenswürdigkeiten haben uns schlichtweg umgehauen. Um hier jedoch eine weitere Erkenntnis einfließen zu lassen und uns damit als Kunstbanausen zu outen: nach dem zwanzigsten Tempel erkennt man eine gewisse Redundanz.
Aber auch abseits der großen Touriattraktionen, waren es gerade die kleinen Geschichten am Rande, die den Trip unvergesslich werden ließen. Beispiel? Man nehme zwei Deutsche, die zwar Englisch, aber kein Chinesisch reden. Man füge Chinesen in fünf China Mobile Shops hinzu, die zwar Chinesisch, aber kein Englisch sprechen. Man ziert es mit einer chinesischen SIM-Card, die lediglich wieder mit ein wenig Geld geladen werden muss. Zwei Optionen: entweder ihr spielt Montagsmaler mit den Einheimischen (nur 4-5 Stunden lustig), oder ihr lasst euch im Hostel einen Satz in Landessprache übersetzen, geht in einen China Mobile Shop und kommt zwei Minuten später mit erreichtem Ziel wieder heraus. Das Gefühl, diese Mission der Schwierigkeitsstufe 10.000 gemeistert zu haben: unbezahlbar. Oder die Begegnung mit BJ, der uns am ersten Abend in unserem Hostel besuchte, da er gerade geschäftlich „in der Nähe“ unterwegs war. Absurd witzige Situation, wenn einem 9.000km von zuhause plötzlich einer deiner besten Kumpels entgegenkommt. Nach vier Tagen, in denen wir viele Menschen kennengelernt haben, Karaoke sangen, Essensmärkte besuchten, von vielem beeindruckt waren und über noch viel mehr schmunzeln mussten,  war es Zeit, eine Stadt zu verlassen, die für das „alte und traditionelle China“ steht.       

Tag 5 – 14. Suzhou. (+Tagesausflug Nanxun, 3 Tage Hangzhou) Mit dem Nachtzug ging es in einem 2x2m großen Schlafabteil, das wir mit zwei weiteren Personen und vollem Gepäck in bester Tetris-Manier komplett ausfüllten, ins 1300km entfernte Suzhou. Und fanden uns in einer anderen Welt wieder. Gut, einiges blieb gleich (der absurde Verkehr, Chinesen, die in Schlafanzügen durch Straßen laufen, etc), dennoch gab es signifikante Unterschiede. Um die zwei größten zu nennen: Suzhou ist irgendwie wie Cher (ja, die Sängerin) – ein ganz kleiner Teil ist uralt, das Meiste jedoch relativ neu (noch unter 25). Man kommt sich oft vor, als befände man sich in einem künstlich angelegten Freizeitpark. Einem sehr, sehr großen Freizeitpark. Hinzu kommt, dass Cora und BJ in einem abgegrenzten Areal wohnen, der doch ziemlich stark an ein Ferienressort erinnert. Wobei wir damit zum zweiten großen Unterschied kommen: Cora und BJ waren da. Die Wiedersehensfreude war riesig und was soll ich sagen, sie kümmerten sich vorbildlich um uns und sorgten dafür, dass die Zeit in Suzhou zum Erholungsurlaub wurde. Im Gegensatz zu Peking und Shanghai gingen Nadine und ich also für diesen Zeitraum in den Lemming-Modus und genossen es sehr, uns von den Beiden alles zeigen zu lassen. Kaum angekommen - und besonders die Schwaben unter euch sollten jetzt besonders konzentriert lesen - ging es zur wichtigsten Mission des Urlaubs. Dafür muss ich allerdings kurz ausholen. Ich habe das große Glück, im Juli 2016 meine Traumfrau heiraten zu dürfen. Dafür braucht man bekanntlich Kleid und Anzug. Nun ist Suzhou der Weltproduzent für Hochzeitskleider, ein Maßanzug wird ebenfalls problemlos auf den Leib geschneidert. Daher mein Tipp an alle, die in den nächsten Jahren ebenfalls vorhaben, zu heiraten: kauft die Sachen in China und verbindet es mit einem 3-Wochen-Urlaub dort, anstatt in Deutschland einzukaufen. Ihr kommt bei gleicher Qualität auf denselben Preis. Zum Aufwand der Suche möchte ich nur sagen: wir haben das Klischee von Mann und Frau aber sowas von bestätigt. Das Ergebnis war perfekt, alle waren glücklich. Das musste gefeiert werden. Zwei Tage lang. An den Namen der Bar des ersten Abends kann ich mich unerklärlicherweise nicht mehr erinnern, aber das legendäre Würfelspiel wird mir ewig in Erinnerung bleiben. Der Name der Studentenkneipe am zweiten Abend war einfacher zu merken, zumal Mr.T einen auffordert: “get wasted at the drunken Clam“. Und Mr. T widerspricht man nicht.
Nach einem Tag zur Regeneration ging es folgend daran, Suzhou zu erkunden und auch hier kamen wir voll auf unsere Kosten: Perlenmarkt, Altstadt und der schiefe Turm von Tiger Hill sind ebenso spannend, wie die erwähnte Nachbildung der Tower Bridge und eines kompletten Dänischen Dorfes(!) verrückt. Zwischendurch ging es über einen von Coras Expatverein organisierten Ausflug, noch einen Tag raus aus der Stadt, in die Watertown nach Nanxun. Hier half uns die Reiseleiterin, die tatsächlich die ganze Zeit über redete – ohne heiser zu werden – die  Geschichte Chinas besser zu verstehen. Auch der Aufenthalt in Suzhou, in der uns außer dem bereits genannten auch das vielfältige vorzügliche Essen, sowie die dortigen Freunde von BJ und Cora (spezieller Gruß an Oli) in Erinnerung bleiben werden, hatte ein Ende. Doch bevor wir den Zug nach Shanghai nahmen, packten wir uns zu viert nochmal ins Auto und fuhren für drei Tage nach Hangzhou und tranken Tee.         

Tag 15 – 18. Shanghai. Wählen Sie aus allen Punkten drei Dinge, die Sie in Shanghai gesehen haben sollten. Nanjing Road. French Concession. Und vor allem: the Bund. Ein großes Lob an meine Verlobte für die Buchung, sowie eine weitere Empfehlung an alle, die diese Stadt besuchen. Das MingTown-Youth Hostel liegt zentral und dennoch relativ ruhig. So war es nur eine Querstraße bis zur Nanjing-Road, eine der größten Einkaufsstraßen der Welt. Sagt Wikipedia. Bereits routiniert erfüllten wir das, was uns die komplette Zeit in China täglich 3-5 mal offen passierte und unzählige Male mehr oder weniger heimlich versucht wurde: Chinesen wollten Fotos von uns machen. Ich habe immer noch keine Ahnung warum, aber wie bereits erwähnt, ist diese Frage in China sinnfrei. Auch hier folgten wir derselben Taktik, wie in den anderen Städten und machten uns zu Fuß auf, die Stadt zu erkunden. So gelangten wir noch von dem Eindruck der mit Luxusartikeln übersäten Nanjing Road in eine Gegend, welche Nadine später als das schönste Viertel Chinas bezeichnen sollte. Die French Concession. Wir hatten gelesen, dass es hier etwas geben soll, das Tian Zi Fang heißt, wussten aber nicht genau, was uns dort erwartet. Laut Karte standen wir direkt davor, konnten aber keinen Eingang entdecken. Also fragten wir jemanden. Die Antwort kam lächelnd: “Straight ahead to the next corner, then turn left, go through a small door and then you will get lost.” Er hatte Recht. Kaum waren wir durch diesen kleine Tür durch, sahen wir uns einer Vielzahl an winzigen Gassen gegenüber, vollgestopft mit kleinen Läden, die man teilweise durchqueren muss, um wiederum in andere Gassen zu gelangen. Wer meine Verlobte kennt: es war der Himmel für Sie. Und sogar ich selbst muss sagen, dass man sich dort ohne Probleme einen Tag lang aufhalten kann und sich sehr wohl fühlt. Naja, irgendwann haben wir dann doch wieder aus dem Labyrinth herausgefunden. Meine persönlichen Highlights in Shanghai betrafen den Bund. Zunächst bei Nacht am Seeufer betrachtet - meiner Meinung nach eine der schönsten Skylines der Welt – ging es am nächsten Tag daran, den Bund aus der Nähe zu sehen. Hat man keine Höhenangst, sollte man unbedingt den Glasboden des Pearl Towers betreten.
Man wird mit einer überragenden Aussicht belohnt und noch krasser: einem Wahnsinnsgefühl, wenn die Augen dem Gehirn melden, man stehe 270m hoch in der Luft. Sollte man am Boden bleiben wollen, wird einem am folgenden Tag vermutlich der Nacken wehtun, da man sich von Hochhäusern umgeben sieht – unter anderem dem zweithöchsten Gebäude der Welt. Nach der Ankunft im traditionellen, größtenteils alten und noch am ehesten kommunistisch zu nennende Peking, beendeten wir unseren Trip also in der Stadt, die in unseren Augen das genaue Gegenteil widerspiegelt und machten wir uns nach knapp drei Wochen auf, wieder nach Deutschland zurückzukehren, mit der bestätigten Meinung, die wir auch heute noch vertreten: um China in Ansätzen verstehen zu wollen, muss man es gesehen haben. Und versprochen - es lohnt sich.




Nachwort: Ich erhebe mit meiner Erzählung nicht mal annähernd den Anspruch auf Vollständigkeit, viele spannende Erfahrungen wurden nur mit einem Wort erwähnt, noch viel mehr wurde aus Platzgründen komplett weggelassen – nur die Wenigsten haben Bock, einen Bericht über 20 Seiten zu lesen. Solltet ihr zu den angesprochenen Wenigsten gehören, oder interessiert euch eine Geschichte im Speziellen, quatscht uns einfach an.

Last but not least ein paar Worte an euch, Cora und Bj: Ohne euch wäre der Trip nicht mal in der Idee entstanden und wir hatten einen Riesenspaß mit und durch euch. Ihr seid Ratgeber, Flügebucher, Einladungsschreibende, SIM und U-Bahn-Karten-Verleiher, Gastgeber, Aufpäppler, Shopping-Begleiter, Touriguides und noch vieles mehr… aber vor allem seid ihr zwei unfassbar tolle Freunde für uns. DANKE SCHÖN für alles!!!

Samstag, 26. September 2015

Städtetrip nach Chengdu - Panda-City


Wir leben nun schon mehr als 1 Jahr in China und haben noch keinen einzigen Pandabären gesehen. Da ich (Cora) der Meinung war, dass das so nicht geht und auch noch spitz gekriegt habe, dass in Chengdu in der Sichuan-Provinz eine große Aufzuchtstation für das schwarz-weiße Nationaltier besucht werden kann, haben wir mal wieder einen „Ausflug“ gemacht.

Zusammen mit unseren Freunden Vanessa und Pascal sind wir über ein verlängertes Wochenende Anfang Juli etwa drei Stunden lang in Richtung Nordwesten nach Chengdu geflogen. Natürlich standen nicht nur die Pandas auf dem Programm…


Wenjun Mansion Hotel
Wir hatten uns übers Internet vorab einen Mietwagen reserviert und diesen nach der Ankunft erstmal in Empfang genommen, um dann das Hotel aufzusuchen und ein zu ziehen. Als Unterkunft hatten wir uns ein sehr chinesisch aussehendes, aber innen äußerst westlich eingerichtetes Hotel (Wenjun Mansion) ausgesucht. Es liegt sehr zentral und hat unsere Anforderungen völlig erfüllt – nur falls jemand mal einen Tipp braucht ;-)
Hot Pot Sichuan Style
Nach dem Check-In haben wir uns etwas in der Stadt umgesehen und Essen gejagt- wir sind da schon ganz Chinesisch drauf, wo lokales Essen als Grund für eine Reise schon genügt. Die Sichuan Provinz ist bekannt für sehr scharfes Essen – aber ultralecker!!! Wir haben also erstmal ein paar Gärten und Tempelchen erkundet und uns abends ein Hot-Pot-Restaurant ausgesucht. Hot Pot ist vergleichbar mit Fondue. Man bekommt einen großen Topf heiße Suppe in die Mitte des Tisches gestellt und bestellt sich diverse Zutaten von Gemüse bis Fleisch, um diese da rein zu schmeißen und wenn sie gar sind wieder raus zu fischen. In diesem Fall war die Suppe mit Chilischoten bedeckt und höllenscharf – aber seeeehr lecker!
Leshan Buddha
Am zweiten Tag haben wir uns wie geplant den Giant-Buddha in Leshan vorgeknüpft. 2 Stunden Fahrt mit unserer Mietdroschke von Chengdu nach Leshan sind ja schließlich ein Klacks. Und es hat sich gelohnt – den Ausdruck GIANT-Buddha kann man schon mal wörtlich nehmen. Man läuft durch eine schöne Gartenanlage stetig und unauffällig einen Berg hinauf und plötzlich findet man sich auf Höhe des Kopfes der eindrucksvollen Gestalt wieder. Wenn man sich dann noch 2-3 Stunden in die Warteschlange einreiht, kann man über eine steile Treppe am Buddha entlang den Fels hinuntersteigen und sich den Mega-Heiligen in voller Pracht von unten ansehen. Als erfahrene China-Reisende, die wir aber schon sind, haben wir am Parkplatz bereits gesehen, dass man auch mit dem Boot vorfahren kann, das dann direkt vor der Plattform hält, damit man in Ruhe Fotos knipsen und beeindruckte Oh- und Ah – Laute von sich geben kann – ohne Schlange zu stehen! Zudem ist man, wenn man direkt auf der Plattform steht eigentlich zu nah dran, um ein gutes Foto zu bekommen. Denn mit 71 Metern Höhe ist der Leshan-Buddha der größte Stein-Buddha der Welt. Die Schultern sind 28 Meter auseinander und auf seinem kleinsten Zehennagel kann noch bequem ein Erwachsener Platz nehmen. Süß, oder?!
Der Buddha wurde an dieser Stelle übrigens gebaut, da dort 3 Flüsse aufeinander treffen und zusammen fließen. Durch die gefährlichen Strömungen gab es dort früher eine Menge Schiffsunfälle. Die Mönche des dortigen Klosters begannen daraufhin die Gestalt des Riesen-Buddhas aus dem Stein zu schlagen, so dass dieser die Stelle bewachen und beschützen sollte. Und nun ratet mal: Tatsächlich sind danach viel weniger Schiffe dort verunglückt. Böse Zungen behaupten, die Strömung habe sich durch das Abtragen von Material am Felsen so verändert, dass es ungefährlicher wurde, aber wir gehen mal davon aus, dass der göttliche Segen (wessen Gottes auch immer) da natürlich auch seine Finger im Spiel hat.

Das Beste kam aber wie immer zum Schluss. Am letzten Tag haben wir früh morgens ausgecheckt und sind zum Pandapark gefahren, der nur etwa 30 Minuten außerhalb der Stadt liegt. Die Erwartungen waren groß und Cora war aufgeregt wie ein kleines Kind an Weihnachten. Und man muss schon sagen, so fern in China auch oft Dinge wie Tierschutz liegen, aber Pandas sind das heilige Nationaltier und die haben es mal richtig gut da. Mittlerweile zumindest, denn der Grund dafür, dass sie eine bedrohte Tierart sind, ist schließlich der Mensch.
Beim Fressen eingeschlafen, hmm...
Der Park ist riesengroß und in mehreren großen Gehegen innerhalb einer wunderschönen Gartenanlage, kommt man den Bambus mümmelnden Genossen relativ nahe. Praktischerweise platzieren die plüschigen Kerlchen sich nämlich immer da, wo die Pfleger neue Bambusbüschel (Bambüschel ;-))hinwerfen und da liegen sie dann und mümmeln. Wirklich; die scheinen den ganzen Tag nichts anderes zu machen als Bambus zu nagen und ne Runde zu schlafen. Tatsächlich ist der Nährwert in ihrem Lieblingsessen nämlich so gering, dass man, wenn man ein so großer Bär ist, den ganzen Tag davon Essen muss. Außerdem muss man übrigens schon möglichst früh in den Park kommen, da die Pandas je höher die Sonne am Himmel steht und je wärmer es wird, nämlich inaktiver werden und in die Innengehege gebracht werden, wo sie erstmal eine lange Runde Schläfchen halten (Bubu) – für Besucher natürlich nicht so spannend. Außer, wenn sie wie der Schnarchzapfen hier links, beim mümmeln einschlafen.
Laaaangweilig!
Jedenfalls waren wir alle 4 recht verzückt – sogar die Männer, die normalerweise ja nicht so leicht dahinschmelzen bei knuddeligen Tieren. Im Ernst, beim ersten Panda, den wir da sitzen sahen, dachten wir es wäre ein Chinese in einem Kostüm; so menschlich wie sie da sitzen (auf dem Hintern ist für ein Tier doch recht ungewöhnlich) und aus den kleinen schwarzen Augen blicken… und dann die Posen: siehe rechts: "laaangweilig“ 
Und dieser hier zum Beispiel hatte wohl am Vorabend ein paar vergorene Bambusstängel zu viel, hm?!
Zu allem Übel habe ich es dann noch geschafft sich inmitten des Parks das Knie zu verdrehen (peinliche Geschichte, die nur erzählt wird, wenn jemand danach fragt und dazu einen Drink ausgibt). Da sie es sich allerdings lieber abgehackt hätte, als den Rest des Parks zu verpassen, ging es humpelnd weiter – später sitze man ja schließlich wieder 3 Stunden im Flugzeug.
So haben wir dann also noch allen Pandas dort einen Besuch abgestattet und waren am Ende vollkommen begeistert vom WWF-Wappentier. Mit dickem Knie, aber einem breiten Lächeln im Gesicht, haben die drei es dann doch noch geschafft, mich von den Pandas weg und in Richtung Flughafen zu bewegen. Und so ging ein weiteres unvergessliches China-Erlebnis zu Ende.

… und wenn ihr jetzt auch so begeistert von den schwarz-weißen Bambusbären seid, würden wir uns freuen, wenn ihr ein paar Groschen spendet: https://www.wwf.de/spenden-helfen/fuer-ein-projekt-spenden/grosser-panda/

Grüße aus Chengdu!
 



Samstag, 12. September 2015

Endlich Arbeiten - I'm an alien

Ihr werdet es nicht glauben, aber Cora hat nun endlich eine Arbeitsgenehmigung und auch schon angefangen mit dem Job.

Sage und schreibe NUR etwa 9 Monate nachdem das Thema aufkam und die mündliche Zusage von der Firma kam, halte ich das kleine Büchlein mit der sogenannten „Alien Employment Permit“ endlich in den Händen. Ja, in der Zeit bringen andere ein Kind zur Welt und ja, ich bin jetzt auch ein Alien. „wooohoo! I’m an alien in New York Suzhou“ – man passe den bekannten Song von Sting entsprechend an.

Fragt nicht, was da so lange gedauert hat. Wir können nur sagen, dass sich je nachdem wann man da mit wem spricht, die Regeln und Bestimmungen ändern – täglich! Nachdem ich den „Invitation Letter“ mal bekommen hatte, ging es eigentlich ganz schnell. Darin wird man von der chinesischen Regierung eingeladen ins Land zu kommen, um zu arbeiten. Der Fall, dass man schon im Land ist und nun anfangen möchte zu arbeiten, ist nicht vorgesehen – den gibt es quasi gar nicht. Das hat zur Folge, dass man nochmal in sein Heimatland ausreisen muss, um mit dem neuen vorläufigen Arbeitsvisum im Pass wieder nach China einzureisen. Glücklicherweise haben wir den „Invitation Letter“ kurz vor unserer Sommerreise nach Deutschland erhalten, was sich dann ganz gut ergeben hat. Da meine ursprüngliche Aufenthaltsgenehmigung im Pass (die an Björn und seine Arbeitserlaubnis gekoppelt ist, weil Ehefrau und Mitreisende), aber nach wie vor gilt, musste ich beim Einreisen aufpassen wie ein Schießhund, dass der nette Herr am Einreiseschalter mir ja das richtige Visum abstreicht, damit nicht alles für die Katz war.
In der darauffolgenden Woche habe ich dann direkt angefangen mit der Arbeit. Und ich hätte ja nie gesagt, dass ich das mal sagen würde, aber: Ich habe es echt vermisst zu arbeiten!

Klar, hatte ich während des vergangen Jahres viel Spaß mit dem Erkunden der Stadt und mit den Lunches und Ausflügen mit den anderen Tai-Tai-Mädels. Das war auf jeden Fall auch sehr gut so frisch nach der Ankunft in der Fremde. So taten wir uns leichter mit der Wohnungssuche, dem Herausfinden wo es was gibt und wie man was am besten erledigt bekommt und natürlich haben wir so auch schnell und Freunde gefunden und uns damit auch schneller heimisch gefühlt hier.

Allerdings braucht man auch eine Aufgabe im Leben und so hab ich dann erstmal eine Position im Vorstand des örtlichen Expat-Vereins (
EAS–Expat Association of Suzhou) übernommen. Es stand ja immer in der Schwebe, dass das mit dem Job noch klappt und bis dahin habe ich wirklich das beste aus der Zeit gemacht. Für das persönliche Wohlbefinden (und den Lebenslauf) bin ich jetzt jedenfalls wirklich glücklich Arbeiten zu können. Als lokal angestellte Mitarbeiterin ist mein Gehalt nicht der Rede Wert, aber darum geht es in diesem Fall auch gar nicht...
Jetzt wollt ihr vielleicht noch wissen, WAS ich arbeite?! Ich bin in derselben Firma wie Björn untergekommen und habe eine Halbtagsstelle in der Abteilung Einkauf & Logistik. Damit lehne ich mich zumindest ein kleines bisschen an meine alte Stelle bei der Spedition an und koordiniere nun den Materialfluss für ein bestimmtes Projekt, bei dem viele Zukaufteile aus Deutschland her geschifft werden. Die Teile haben eine lange Transportzeit und natürlich kommt die Produktionszeit noch obendrauf. Man muss also sehr langfristig planen und bestellen und da ich die hervorragende Fähigkeit habe, deutsch sprechen zu können (zumindest, wenn ich mich anstrenge :-)), kann ich mich sehr gut direkt mit den Zulieferern absprechen. In der Vergangenheit gab es da wohl das eine oder andere Kommunikationsproblem, da Englisch weder des Einen noch des Anderen vertrauteste Sprache ist. Nicht zu schweigen von den vielen kulturellen Unterschieden, bei denen sich keiner in die andere Seite versetzen kann… So sitze ich hier also zwischen den Stühlen und beginne natürlich erstmal damit die Abläufe, das System und alles zu lernen.
Die erste Hürde war dabei die Tastatur meines Laptops.
Y und Z hat doch glatt jemand vertauscht und ä, ö und ü, sowie sämtliche Satzzeichen sind auch nicht an ihrem Platz… Das warf mich als alte Maschinen-Schnellschreiberin zunächst völlig aus der Bahn. Ich habe dann schnell rausgefunden, wie man das in Windows umschalten kann, aber dann ist schließlich immer noch die Beschriftung der Tasten falsch… Man gewöhnt sich ja an vieles! Dann fange ich mal damit an. Es wird sicher nicht das letzte gewesen sein…