Mittwoch, 18. März 2015

Tai Tai Life -oder was Cora den ganzen Tag so treibt

Liebe Leser,

jetzt habt ihr hier echt schon lange keinen neuen Input mehr zu lesen bekommen–
Sorry! Nach einem schönen langen Urlaub in der Heimat sind wir jetzt aber wieder
zurück und machen endlich mit dem Bloggen weiter!

Heute (26.09.2014) sind wir übrigens genau ein halbes Jahr in China
- krass wie schnell 6 Monate vergehen...


Zu Beginn zeig ich Euch hier noch Bilder von dem Compound in dem wir wohnen.
Zum letzten Feiertag im September wurden nämlich wieder die schönen Lampions
aufgehängt und nachts erstrahlt das „Grace Residence“ nun in deren Licht.
Das musste ich einfach mal festhalten:



Und in diesem Gebäude wohnen wir. Unsere Wohnung liegt im 6. Stock auf
der rechten Seite (siehe dezenter roter Pfeil):




Die am Häufigsten gestellte Frage an mich lautet: Was machst’n da den ganzen Tag?
Da will ich jetzt mal ein bissl drauf eingehen:


Also: meine korrekte „Berufsbezeichnung“ lautet jetzt „Tai Tai“ – das ist das
chinesische Wort für Ehefrau. Stellenbeschreibung: neben dem Sauberhalten der
Wohnung und der Beschaffung von Lebensmitteln, sowie deren Zubereitung (ohne
Mampf, kein Kampf
), bin ich für unsere sozialen Kontakte zuständig. Außerdem
gehören die Wochenendplanung, das Downloaden unserer Auswahl des deutschen
Fernsehprogramms via Online TV-Recorder und unsere Reiseplanungen zu meinem
Arbeitsbereich


Solche Tai Tai’s wie mich gibt’s hier ganz viele. Ein gängiger Beruf unter den
Expat-Frauen. So kommt es, dass diese sich zusammen gerottet haben und die
Expat Association Suzhou (EAS) gegründet haben.

Der Verein ist Anlaufstelle für alle, die Kontakt zu anderen Expats in Suzhou suchen.
Es gibt verschiedene Gruppen, Aktivitäten und Veranstaltungen, sowie ab und zu
Ausflüge zu den näher gelegenen Sehenswürdigkeiten. Außerdem engagieren sie sich
für gute Zwecke und veranstalten Charity-Events.

Nachdem ich einmal bei so nem Kaffeeklatsch war, hab ich direkt ne Menge netter
Leute kennen gelernt und es wurden gleich Verabredungen getroffen und Nummern
ausgetauscht– von da an füllte sich mein Terminkalender stetig. Böse Zungen, wie
die meines Göttergatten, nennen uns „Desperate Housewifes“ – ein bisschen
stimmts ja auch :-).

Im Mai war ich das erste Mal bei einem Ausflug dabei. Da gings in die
Zhouzuang Wasserstadt. Voll schön da! Ein bisschen wie Venedig in China:





Und gestern waren wir am Tai See im Westen Suzhous. Der Tai Hu (Hu = See)
ist mit 2.250 km² der drittgrößte Süßwassersee Chinas und damit rund 4 Mal so
groß wie der Bodensee.



Darin gibt’s eine Insel mit 3 Bergen (Upgrade zu der Insel aus der Augsburger Puppenkiste), die wir uns mal angeschaut haben. Auf einen der „Berge“ – Älbler würden eher Hügel sagen – sind wir dann auch rauf gelaufen. Auf dem Weg nach oben kamen wir an diesem hübschen Fleckchen vorbei.



Und oben angelangt belohnte uns die schöne Aussicht:





Nach einem guten chinesischen Mittagessen haben wir uns die Insel noch ein bisschen genauer angesehen und eine Art Freilichtmuseum mit alten chinesischen
Geschäftshäusern besucht. Schade, dass alles schon relativ stark verfallen ist.







Bild des Tages wird aber das Folgende:

Dieses  Hündchen hat mich – wie nicht anders zu erwarten – total verzückt. Es saß da inmitten des Obststandes und hat auf alles aufgepasst. Süß, gell?! Eine ausgeklügelte Marketingstrategie des Obststandbesitzers, denn sowas zieht natürlich Leute an – zumindest Tai Tais :-)

Nachtrag zur WM -oder we are the champions

Montag, 14.7.2014 ab 1 Uhr früh!
Was war das für eine Nacht! Das werden wir in unserem Leben nicht vergessen! Spannend, herzergreifend, einfach genial!


Deutschland wurde Fußball-Weltmeister und wir saßen Mitten in der Nacht in Suzhou, China in ner deutschen Brauereikneipe, trinken viel Bier, zittern vor einer Leinwand im Freien vor der Bar bei ca. 25°C und können schließlich den Sieg feiern!
Das hat sich gelohnt! Wir haben bis 7.30 Uhr gefeiert, im Hintergrund läuft in der Dauerschleife DAS Lied von den Toten Hosen: "An Tagen wie diesen"  und sind dann geschlossen in die benachbarte deutsche Bäckerei eingefallen, um zu frühstücken. Nach einem kurzen Powernap zu Hause, hat sich Björn dann tatsächlich zur Arbeit aufgemacht.

Mein Trikot habe ich an diesem Tag nicht mehr ausgezogen und so war jedem dem ich begegnete sofort klar, woher mein Dauergrinsen rührte. Die Chinesen freuten sich mit!
Heute -einen Tag später- habe ich einen Chinesen im Aufzug getroffen. Er fragte aus welchem Land ich komme. Als ich es ihm sagte, hat er mir zum Sieg der Mannschaft gratuliert! Was für ein Gefühl! (Soviel Nationalstolz ist man ja als Deutscher gar nicht gewohnt, oder?!)

DANKE Jogi's Jungs!

WM in China - oder schlaflos in Suzhou

Dieses Jahr ist endlich wieder Fußball-Weltmeisterschaft. Auch wir haben uns darauf gefreut – bis wir uns der Spielzeiten bewusst wurden. Schon Wochen im Voraus wurde in der deutschen Presse über die späten Spiele debattiert. Spätschichten sollten verlegt werden, Schulstunden verschoben … Pille Palle! Hier findet das früheste Spiel um Mitternacht statt. Das späteste Vorrundenspiel um 6 Uhr morgens.


Aber wir kennen da ja bekanntlich nichts. Wir gestehen zwar zwischen WM und EM keine großen Fußballfans zu sein, aber wenn WM ist, wird geguckt und mitgefiebert!!!

Dieses Bild entstand beim ersten Gruppenspiel Montag um Mitternacht in einem deutschen Brauhaus.

 

Das nimmt mittlerweile ganz schöne Ausmaße an: Höhepunkt (?!) war vergangenen Montag bzw. Dienstag das Achtelfinalspiel gegen Algerien um 4 Uhr nachts.

Wir sind also am Montagabend brav um 20.30 Uhr ins Bett gegangen, um dann um 3 Uhr wieder aufzustehen und uns in der Camel Bar mit Freunden zu treffen. Da waren dann tatsächlich noch ein paar Franzosen vom vorherigen Spiel übrig und weitere Deutsche Fans waren auch vorhanden. Prima!


Bei Kaffee und Cola zittern und bangen wir vor den Bildschirmen der Bar. Und dann auch noch Verlängerung um 6 Uhr morgens - meine Nerven! 6 Uhr morgens bedeutet Mitternacht in Deutschland. Zeit meinem Dad anzurufen und zum 60. Geburtstag zu gratulieren! Trifft sich ja hervorragend. Allerdings geht keiner ran… Scharen von Gratulanten in der Leitung? Oder sind sie unterwegs um rein zu feiern? Nein! Man stelle sich vor er ist schlafen gegangen – und das während eines Deutschland-Spiels. Das hätte es früher auch nicht gegeben. Er wird doch nicht tatsächlich alt werden so langsam???

In der Verlängerung reißt die Mannschaft es dann doch noch! Hallelujah! Bei uns geht es weiter mit einem ausgiebigen Frühstück bei einem befreundeten Ehepaar (Danke nochmal Doris und Thorsten). Kaffee, Rührei, Wurst und sogar Käse – alles da! Unsere Art den „Sieg“ zu feiern. Auto-Korso würde hier auch gar nicht auffallen *hihi* (s. Folge „Die Chinesen und der Verkehr"

Nun heißt es für Björn ab ins Büro. Thorsten fliegt in eine paar Stunden nach Japan und Doris fährt ihn zum Flughafen. Ich regele noch etwas auf der Bank und darf mich dann Gott sei Dank noch etwas ausruhen. Können es ja nicht alle so gut haben wie ich :-) - aber die Geschichte mit der Bank wäre auch wieder ne Story wert…

Dank dem großartigen Einzug ins Halbfinale – und das auch mal zu ner vernünftigen Uhrzeit - Freitag um Mitternacht, geht der Spaß noch weiter. Das Halbfinale ist dann wieder werktags um 4 Uhr morgens. Man muss eben früh aufstehen um Brasilien zu schlagen. Mal sehen wo wir dieses Mal frühstücken…

SCHLAAAAAAND!!!

Die Chinesen und der Verkehr

Wie berichtet sind wir nun stolze Besitzer von chinesischen Führerscheinen. Und um die gleichen Fragen zu vermeiden, die uns von einigen anderen Expats hier gestellt worden sind: Ja wir haben den Test selber gemacht und nicht einfach eine Assistentin oder einen Übersetzer vor den Rechner gesetzt, die die Fragen für uns beantworten.


Momentan können wir mit zwei Fahrzeugen am Straßenverkehr teilnehmen.


1. mit einem Elektroroller

Wo sich die Bundesregierung noch über eine Bezuschussung von Elektromobilität streitet, sind die Chinesen schon einen Schritt weiter. Hier in Suzhou fahren tausende von Elektrorollern durch die Gegend. Für 150 bis 350 € kann man damit am Verkehr teilnehmen.



Die Beliebtheit kommt nicht von gesteigertem Umweltbewusstsein, sondern ist einfach nur dem Geschuldet, dass man dafür gar keinen Führerschein benötigt.

Das erklärt auch die Fahrweise der meisten Rollerfahrer im Straßenverkehr. Egal ob Rollerspur, Fahrradweg, Gehsteig, Busspur oder Autobahn. Mit so einem Ding kann man überall fahren. Rote Ampeln,  Einbahnstraßen oder das allgemeine Rechtsfahrgebot werden von Rollern, Autos, Fußgängern und Fahrrädern gleichermaßen ignoriert. Die Meisten kennen die Verkehrsregeln schlicht gar nicht –woher auch.

Der tapfere Rollerpilot zieht jeden Morgen in den Kampf um Suzhous Straßen. Helme werden nur im Notfall verwendet (Notfall bedeutet für gewöhnlich, der Pilot ist Ausländer), was aber nicht fehlen darf, ist der Regenmantel mit Hello Kitty Motiv (oder in Schwarz zur besseren Tarnung). Da es ohne Helme auch keine Visiere gibt, behaupten böse Zungen, dass der Gesichtsausdruck, den viele Chinesen zeigen, vom Fahrtwind kommt und das ein Rollerfahrer dank der Insekten auch nicht vor Fahrtantritt frühstücken muss.

Während in Deutschland Roller als individuelles Fortbewegungsmittel angesehen werden, kann der chinesische E-Roller viele Funktionen erfüllen, Familienkutsche, Haustierbeförderung oder Kleinlastkraftwagen als Basis einer ICH AG im Gastronomiebereich. Nicht selten sieht man bis zu 4 Personen auf einem Roller, stehen Hunde von der Größe eines Bernhardiners auf dem Fußbrett oder werden Güter von bis zu 5 Metern Länge transportiert.  Auch beliebt ist die 3-Rad Variante als mobiles Restaurant. Ausgerüstet mit Fritteuse, Wok und Grill (und der Gasflasche auf dem Trittbrett) rasen diese Nahrungslieferanten durch die Stadt und tauchen immer dort auf, wo jemand Hunger hat und gerade keine Polizei (oder WKD) ist.


Anmerkung von Cora:
Auch ich bin so waghalsig und stürze mich so ziemlich jeden Tag mit meinem Roller auf die Straßen. Jetzt fehlen mir nur noch der Regenponcho, der das ganze Fahrzeug bedeckt, sowie mindestens 3 Passagiere (ob Hunde, Kinder oder Ladung ist dabei egal), um nicht so aufzufallen. Ich kann Euch sagen, der Fahrspaß ist gigantisch! Man darf quasi machen was man will und fahren wie man will – man sollte nur in eigenem Interesse mit nichts und niemand anderem kollidieren. Da ich mir das durchaus zutraue, den meisten anderen Straßenteilnehmern allerdings nicht unbedingt, war mir die Anschaffung eines Helms sehr wichtig! Den Fahrtwind um die Nase, mache ich mich damit zum Chinesischkurs, zum Einkaufen und sonstwohin auf, habe meinen Spaß und immer einen Parkplatz!





Stufe 2: Das Autofahren

Tag 1:
Nachdem ich meinen Führerschein nun habe, bekomme ich die Schlüssel zu meinem Geschäftswagen ausgehändigt. Ein schwarzer Chevrolet EPICA, verwand mit unserem Vectra. Es steht meine erste Solo Autofahrt in China an, 9 km bis nach Hause.

Langsam taste ich mich aus der Ausfahrt der Firma und mache mich auf den Weg. Ich fahre mit den erlaubten 50 Km/h, halte an roten Ampeln und lasse beim Linksabbiegen den Gegenverkehr durch. Begleitet wird meine Heimfahrt von wilden Hupkonzerten und waghalsigen Überholmanövern meiner chinesischen Mittteilnehmer am Straßenverkehr. Die verwenden sogar die Rollerspur! Nach 20 Minuten bin ich glücklich und zufrieden angekommen.

 Tag 2:
Jetzt erstmal den Weg in die Firma finden. Verdammt da war die Abfahrt. Aber kein Problem, ich nehm die nächste und wurstele mich durch. Da müsste ich jetzt eigentlich Links abbiegen, darf man aber nicht. Gut dann such ich halt weiter. Am Zebrastreifen lasse ich sogar die Fußgänger durch. Nach 20 Minuten bin ich glücklich und zufrieden angekommen.

Tag 5:
Diesmal kenn ich den Weg und finde auch die richtige Abfahrt, also fast. Wenn ich aber da vorne jetzt links quer ziehe bin ich wieder richtig, darf man nicht, aber gut einmal wird schon nichts machen. Geschwindigkeitstechnisch passe ich mich jetzt auch dem Rest an und fahre 60km/h. Nach 20 min bin ich glücklich und zufrieden angekommen.

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Tag 10:
So langsam komme ich hier zurecht. Eigentlich ist der Verkehr ganz normal. Nach 20min bin ich glücklich und zufrieden angekommen.



Tag 15:
Wo kommen denn die ganzen Schleicher auf der Straße her! Seit mehreren Tage stelle ich fest, dass die anderen Autofahrer immer langsamer fahren. Gut dass es die Rollerspuren gibt. Da kann man auch mal rechts überholen. Warum die Fußgänger immer über die komisch weiß gestreiften Bereiche auf der Straße rumlaufen weiß ich auch nicht. Aber mit meiner Hupe weise ich sie freundlich darauf in, dass ich jetzt fahre. Die anderen hupen, als ich die Rechtsabbiegerspur zum links abbiegen verwende, aber die sollen sich nicht so anstellen. Ich halte mich ja an die Regeln.  Ich brauche immernoch 20min in die Firma, habe jetzt aber viel mehr „Spaß“.

Sanya -das Hawaii Chinas oder wie man in den Süden fliegt und Sonne vermeidet

Die Betzsche Freude ist groß. Unser erster Urlaub in China. 4 Tage Sanya haben wir übers Internet gebucht. An diesem südlichsten Zipfel Chinas soll es sehr schön sein und im Juni soll auch nicht viel los sein – zu warm(!) und die Ferien fangen erst nächste Woche an! Top!

Die 3 Stunden Flug sind mittlerweile ein Klacks für uns und uns wird immer bewusster wie unglaublich riesig dieses China ist… Wenn man an einem Ende Deutschlands losfliegt, ist man spätestens nach einer Stunde außer Landes… Süß!


Nundenn: Im Hotel angekommen, hauen uns sowohl Lobby und Poollandschaft, als auch Zimmer und Meerblick um! Wir sind begeistert und freuen uns auf ein paar faule Tage am Strand.



Aber was wäre dieser Blog, wenn wir Euch nur berichten könnten, dass wir 4 Tage lang gelesen, gebadet und geschlafen haben?! Wir haben natürlich wieder faszinierende Erkenntnisse über die Chinesen erlangt:


Tagsüber waren wir nämlich wirklich ziemlich alleine an Pool und Strand. Wir lagen da also bis der abendliche Hunger groß wurde und die Schnaken uns genug gepisakt hatten. Nachdem wir dann vom Abendessen wieder zurück ins Hotel kamen, sah es am Pool ganz anders aus. Die Sonne war untergegangen und nun waren sie alle da und vergnügten sich im Wasser. Wir wussten ja, dass die Chinesen gerne blass bleiben möchten und die Sonne meiden, aber dass sie im Urlaub nur nachts rauskommen, war dann doch eine Überraschung. Kein Wunder, dass die Poolöffnungszeiten bis 22.30 Uhr ausgeweitet waren.

Das nächste Mal bekamen wir am folgenden Abend große Augen. Dieses Mal liefen wir am Strand entlang auf der Suche nach Nahrung. Auch hier tummelten sich nach Sonnenuntergang auf einmal jede Menge Leute. Wie Pilze aus dem Boden, schossen hier mobile Restaurants alias umgebaute Roller und brieten frisches Meeresgetier und Gemüse auf zusammengeschusterten Kohlebecken. Mit Hilfe von Campingtischen und pinken Plastik-Gartenstühlen, sowie dem Rauschen des Meeres wurde das Ambiente perfekt. Kilometerweit erstreckte sich so nun die Fressmeile direkt am Strand entlang und ließ uns wieder einmal staunen. Nebenan wurde natürlich ausgiebig gebadet und geplanscht –warm genug war es ja allemal noch.

Doch damit nicht genug: alle 100 m fallen uns mit Bildschirm und Stereoanlage ausgestattete Quads auf – Karaokemaschinen! Der Strandparty steht nichts mehr im Wege! Man kann ja schließlich schlafen so lange die elende Sonne wieder scheint!

Dragon Boat Festival

Zwar ist Christi Himmelfahrt an uns vorbei gegangen. Dafür ist aber heute (2. Juni 2014) Feiertag in China. Jedes Jahr am 5. Tag des 5. Monats im Luna Kalender feiert man hier das Dragon Boat Festival. Und nun ratet, was es da zu sehen gibt… - Klaro:Drachenboote :-).
Und bei uns um die Ecke auf dem Jinji Lake fanden heute Morgen schon Drachenbootrennen statt. 10 Mann bzw. Frauen pro Boot, plus ein Trommler, der den Takt vorgibt vorne drin. Wir haben unter anderem beobachet, wie ein Team seinen Trommler verloren hat. Der ging schwups über Bord - dann waren sie aufgeschmissen :-) - Shit happens!




Das Wetter ist ein bisschen doof– Nieselregen, aber der Vorteil ist, dass es dann nicht ganz so warm ist wie in den letzten Wochen. Heute also unter 30 Grad, was aber noch lange kein Anlass für eine lange Hose ist.

So sind also ab 9 Uhr morgens die Teams gegeneinander angetreten. Beim Rennen an diesem See haben 34 Herren- und 5 Damenteams teilgenommen. Drum herum natürlich jede Menge Zuschauer, Vorführungen und Marktstände.

Wieder etwas Interessantes gesehen und einen schönen Vormittag genossen!

Was hat 4 Daumen und chinesische Führerscheine?- Die Betzens :-)

Dienstag, 20. Mai 2014 – Heute ist es soweit: Wir werden einen Versuch machen den chinesischen Führerschein zu ergattern.
Seit zwei Wochen haben wir uns fleißig vorbereitet. Im ersten Schritt haben wir uns dem Studium der örtlichen Fahrgepflogenheiten gewidmet. Quasi Zusehen und Lernen.
Wir haben die folgenden Regeln als am Wichtigsten erkannt:
1.Hupen: Grundsätzlich beim Überholen (rechts/links), Überholt werden, Schneiden, Geschnitten werden, Bremsen, vor Zebrastreifen und roten Ampeln, beim Linksabbiegen und als Ausdruck allgemeiner Freude am Autofahren.
2.Überholen: Bei jeder sich bietender Gelegenheit rechts oder links, wenn es keinen Hinderungsgrund gibt. Gegenverkehr, mangelnde Anzahl von Fahrspuren oder gar lustige Überholverbotsschilder stellen ausdrücklich keinen Hinderungsgrund dar.
3.Raumnutzung: Jeglicher freie Raum im Straßenverkehr ist sofort einzunehmen und für die gerade anstehende Tätigkeit zu benutzen. Also Anhalten, Parken, Überholen, drängeln oder Rückwärtsfahren, wobei allgemein Aufgrund der Art des Straßenverkehrsraums nicht darauf zu schließen ist was getan wird. Parkplätze können ebenso zum Überholen benutzt werden, wie manche Leute quer vor einer grünen Ampel parken.
Um die Erlaubnis zu erhalten am örtlichen Autoballett teilzunehmen, reicht der deutsche bzw. europäische Führerschein nicht. Auch ein internationaler Führerschein reicht den Chinesen komischerweise nicht aus – hier muss man schließlich Profi sein?! Hm… dann muss es logischerweise hier irgendwo auch noch eine Lotterie geben bei der man die Lappen gewinnen kann und die Gewinnchance muss ziemlich hoch sein…
Jedenfalls muss man den deutschen Führerschein übersetzen lassen, jede Menge Passbilder mitbringen und noch einige weitere Papiere, sowie den Reisepass und dann noch – und jetzt kommts: einen Theorietest absolvieren! Aus einem dicken Fragenkatalog werden 100 Fragen zufällig ausgewählt von denen man mindestens 90 richtig beantworten muss. Wir finden schnell eine Website mit den aktuellen Fragen (auch als App für unterwegs). Versucht es doch auch mal:
www.chinese-driving-test.com/test
Beim Test kann man aus diversen Übersetzungen auswählen – Chinesisch fällt schon mal weg… Diversen Empfehlungen zufolge, sollte man auf die Englische Variante setzen. Deutsch gibt es zwar auch, aber die Übersetzung sei so schlecht und lückenhaft, dass man seine ganze Fantasie benötigt, um die Frage zu verstehen. Man beachte aber, dass man auch viel Fantasie braucht, um auf die richtige vorgegebene Lösung zu kommen! Also entscheiden wir uns für die brauchbare Englische Version, die uns zwar auch häufiger ein Lächeln entlockt, aber wir können uns vorstellen, was gemeint ist:
„After an accident if a person leaves the scene but does not leave, the driver can be punished with a fine…”
> Häh! Geht er jetzt oder geht er nicht weg? Und warum gibt das ne Strafe? Gemeint ist wohl: wenn er weg geschickt wird und dann nicht geht – vermutlich!
Wir haben also vor ein paar Wochen angefangen zu üben. Das war ganz schnell ganz schön demotivierend, weil wir dooferweise so geantwortet haben, wie wir es in der Realität beobachtet haben (siehe oben). Aber! die Antwort bei der etwas mit „hupen“ vorkommt ist gar nicht immer die Richtige L??? Verwirrung! Wir haben da eine Vermutung: die Chinesen bekommen bestimmt andere Regeln beigebracht. Den Ausländern geben sie einen anderen Test und haben damit immer Vorfahrt und Recht! – Et bloß im Wald wohna, an Fuchs muasch sei – oder ein Chinese!
Beispiel:

In der Praxis würde der Fahrer jetzt Gas geben, ausgedehnt hupen und in die Richtung fahren in die er will oder gar einen U-Turn vor dem Jeep machen.
Richtige Antwort lautet aber D. Nun gut!
Die Fragen aus der Kategorie Verkehrspolizisten haben uns aber noch immer am meisten verwirrt. In der Praxis stehen die auf der Straße und fuchteln wild, auch die deutsche Theorie mit Brust und Rücken brachte bei den Tests keinen Erfolg. Die Logik bleibt nach wie vor aus…
Nach ein paar Wochen und X Versuchen haben wir den Dreh raus und schaffen den Online-Test mehrmals. Also besorgt Winnie vom Personalbüro von Elring China die Übersetzung unserer Führerscheine und geht mit uns zur Behörde- Gott sei Dank! Ohne chinesischen Beistand wäre man da nämlich schon ziemlich aufgeschmissen. Zwar kommen leise Heimatgefühle auf, da das Ablaufen bestimmter Schalter in einer bestimmten Reihenfolge nötig ist und dazwischen Nummern gezogen werden, nach der man dann aufgerufen wird, aber da wäre ja noch das Sprach- und Lesehindernis…  Zum Vergleich bitte den Ausschnitt aus Asterix „Passierschein A38“ ansehen.
Zuerst zum Sehtest. Wir geraten in ein winziges Büro in dem sich schon ein paar Männer vor dem Schreibtisch einer Beamten tummeln. Sie ist alleine und keiner der Herren muss sich an das Augentestgerät auf dem benachbarten Schreibtisch setzen. Sie bekommen alle einen Stempel und gehen wieder – das erklärt vieles. Nun aber drängelt sich eine kleine Chinesin an uns vorbei, zieht sich einen weißen Kittel an und nimmt am Schreibtisch mit dem Augentestgerät platz. Aha – die Augenärztin ist jetzt da. Ab sofort müssen alle in der Schlange erst an ihr vorbei, bevor sie den Stempel von der pünktlichen Kollegin erhalten. Der frühe Vogel fängt den Stempel also ohne Sehtest! Wieder was gelernt J.
Wir machen also den Sehtest und die Beamtin freut sich zumindest dass ich ihr die grüne Zahl auf dem roten Hintergrund auf Chinesisch nenne. Für das Anzeigen der Öffnung des O im nächsten Test, verwenden wir die Hände und siehe da, wir bekommen beide einen Stempel.
Am nächsten Schalter gibt es eine kleine Diskussion, weil mein Führerschein auf meinen Mädchennamen lautet und der Pass nicht. Könnte man zwar leicht erklären, aber die Chinesen kennen das nicht, dass man nach der Heirat seinen Namen ändert. Verwirrt und besorgt schaut Winnie mich an als ich es ihr erkläre – sie zuckt die Schultern und übersetzt es der Beamtin. Nun zuckt auch diese und meint wir sollen uns halt auf einen Namen festlegen. OK! Kein Problem! Nach weiteren Schaltern müssen wir an einer Station unsere Passbilder einscannen – aber nicht für den Führerschein, sondern für die Identifikation während des Theorietests! Eine Webcam an jedem der Test-PCs nimmt einen während der Prüfung auf und das kann dann direkt mit dem gescannten Passbild verglichen werden. Vor der Verschärfung der Regeln zum Jahresbeginn war es nämlich häufig so, dass man jemanden angeheuert hat, der die Prüfung für einen gemacht hat. Das wird jetzt schwierig – es sei denn man hat einen Zwilling!
Nun dürfen wir schließlich den Test machen. Ich starte an einem denkwürdig langsamen PC. Es wird gefragt, was das Schild auf dem Bild für eine Bedeutung hat – aber ich sehe kein Bild. Die Windows-Sanduhr läuft noch. Ich warte also. Als ich kurz davor bin die Aufpasserin zu rufen, baut es sich auf und ich kenne es sogar! Rot, 8 Ecken und in der Mitte ein lustiges chinesisches Zeichen – muss ein Stoppschild sein J. So geht es weiter. Ich weiß einiges, rate vieles und drücke schließlich auf den Auswertungsbutton: Congratulations. 91 Points! Knapp – aber geschafft. Die Aufpasserin und Winnie freuen sich mit mir. Björn ist auch gleich soweit, klickt, lehnt sich entspannt zurück und raunt mir „98 Punkte“ zu. Streber! Wie immer! J Nun dürfen wir bei der Aufpasserin ein Dokument unterschreiben. Der Haken: wir sollen auf Chinesisch unterschreiben, hm! Das ist also der eigentliche Test! Wieder so ein Trick. Wir mühen uns ab die gedruckten Zeichen vom übersetzten Führerschein abzumalen. Winnie und die Aufpasserin kichern. Schön wenn man anderen eine Freude bereiten kann. Draußen in der Halle nur noch kurz warten und dann halten wir stolz das wertvolle Dokument in den Händen.

Die praktischen Erfahrungen sind dann bestimmt wieder eine weitere Geschichte wert. Wir werden sehen!
Macht‘s gut und fahrt immer vorsichtig! – auch in Deutschland!